Marokko // 2011

MAROKKO // 2011


ROUTENVERLAUF
Grainau  –  Livorno  –  Barcelona  –  Tanger Med  –  Rif-Gebirge  –  Fes  –  Mittlerer Atlas  –  Erfoud  –  Tinejdad  –  Alnif  –  Tazzarine  –  Zagora  –  Mhamid  –  Zagora  –  Draatal  –  Nekob  –  Tinerhir   –  Todra- & Dadesschlucht  –  Ouarzarzete  –  Aid Ben Haddou  –  Telouet  –  Marrakesch  –  Demnate  –  Cascades d’Ouzoud  –  Beni Mellal  –  Meknes  –  Ksar el Kebir  –  Larache  –  Tanger Med  –  Livorno  –  Grainau

12. 11.2011 – Start in Grainau, Richtung Marokko.
Bei frostigen Temperaturen fuhr ich los über den Brennerpass nach Italien. Es ging gut los, nach einem aufregenden Hin- und Her wegen einem Ölleck an meinem Motorrad, erwischte ich letztendlich die Fähre über Barcelona, Richtung Tanger Med.

15.11.2011 – Ankunft in Tanger Med. In Tanger Med angekommen, fuhr ich am späten Vormittag erstmal nach Tetouan, eine wunderschöne alte Stadt. Von dort aus beschloss ich nach nach Chefchaouen zu fahren, Zentrum des Haschischhandels, im westliche Rifgebirge. Hier übernachtete ich zum ersten Mal.

17.11.2011 – Fes. Am nächsten Tag führte mich meine Motorradtour von Chefchaouen  im Rif-Gebirge, über Ketama, ca. 100 km Wegstrecke, bis nach Taounate , weitere 80 km. Nach einer weiteren Übernachtung in Taounate erreichte ich schliesslich Fes. Als älteste der vier Königsstädte des Landes und drittgrößte Stadt Marokkos besitzt Fes  knapp über eine Millionen Einwohner. Sie ist bekannt als eine an Kunstschätzen und Baudenkmälern reiche Stadt. Der Name soll auf Fas (Fès), „Hacke“ auf Arabisch, den Fund oder die Benutzung dieses Gerätes bei der Stadtgründung hindeuten. Die Altstadt  steht seit 1981 als Weltkulturerbe unter dem Schutz der UNESCO. Ein Bummel durch die sehenswerte Altstadt sowie durch das Handwerkerviertel, insbesondere das Gerber- und Färberviertel, lohnt sich. Hier im sog. Oued Fès im Fès El Bali werden noch Naturfarben zum Färben der Tierhäute angerührt. Aufgespannte Tierfelle und -häute prägen das Bild.

18.11.2011 – Boulemane. Nach einer Nacht in Fès setze ich am späten Nachmittag meine Motorradtour fort, bis mich die Dunkelheit überraschte und ich so die Nacht in Boulemane verbrachte. Ich war sehr erstaunt, wie kalt es in Marokko sein kann. Es lag sogar Schnee auf den umliegenden Bergen des mittleren Atlas.

Erfoud: Von Boulemane über Midelt gelang ich an den Wüstenfluss Qued Ziz mit seinen engen Schluchten. Ich fuhr durch die Gorges du Ziz nach El Rachidia. Etwa 20 km von El Rachidia entfernt liegt ein Palmenhain mit einer eingefassten natürlichen Quelle, die sogenannte „Blaue Quelle“ (Source bleue de Meski). Diese Quelle wird als Schwimmbad genutzt. Nach diesem erfrischenden Zwischenstopp fuhr ich weiter bis Erfoud. Erfoud ist bei Filmemacher als Kulissenstadt sehr beliebt, dort wurden beispielsweise die Filme „Marschier oder stirb“, „Die Mumie“ und „Prince of Persia: Der Sand der Zeit“ gedreht.

Tazzarine: Ab Erfoud machte ich einen Abstecher über El Gfifate, um so auf die Route des Kasbahs zu gelangen. Von dort aus ging es dann nach Tinedjad, wo ich übernachten musste. Am nächsten Morgen verliess ich die Route des Kasbahs wieder in Richtung Alnif, um weiter in Richtung Süden nach Tazzarine, zu fahren.

Zagora: 64 km nach Tazzarine in Tizi n’ Tafilalet hörte die Strasse auf. Nun ging es nur noch über eine Piste in Richtung Zagora. Am Ortsausgang von Zagora stand ein Hinweisschild nach Timbuktu. Kurioserweise wurde der Weg dorthin nicht nach Kilometern berechnet, sondern nach Tagen: „Timbuktu , Mali – 52 Tage“.

Mhamid:
Ich verließ Zagora und erreichte Mhamid. Mhamid ist eine Ortschaft im Süden Marokkos. Die algerische Grenze ist nur einen Katzensprung entfernt. Mhamid ist mittlerweile stark von Versandung bedroht. Früher war die Stadt ein Zentrum für Nomaden und durchreisende Karawanen, heute ist sie Ausgangspunkt für Kamelsafaris in die Wüste.

Draa-Tal: Zurück fuhr ich den gleichen Weg zurück nach Zagora um dann weiter in das bekannte Draa-Tal zu fahren. Sehr eindrucksvoll sind hier die befestigten Berberdörfer (ksour) in der Region von Oulad Driss. Das Draa-Tal ist der landschaftliche Höhepunkt Süd-Marokkos. Gerade der Abschnitt zwischen Zagora und Agdz präsentiert touristische Highlights – Dattelpalmenoasen, Obstplantagen und Kasbahs reihen sich bunt aneinander. Das alles fügt sich fast zu einer Art Morgenlandphantasie, der Zeit entrückt.

Todra-Schlucht: Das Draa-Tal hinter mir lassend, fuhr ich weiter nordöstlich nach Nekob (Nkob). Hier führte eine Piste zum Tizi n’Tazazert-Pass, den ich als Querverbindung Richtung Todra- und Dades-Schlucht nutzen wollte. Allerdings musste ich nach ca. einer halben Stunde umdrehen, da die Piste so unwegsam durch scherbenähnliche Felsplatten und Steine (Steinwüste) wurde und ich Bedenken hatte, dass mein Motorrad bzw. die Reifen das heil überstehen würden. Diese Querung war also unmöglich und ich setzte so meinen Weg über Alnif und Tinehir (1.322 m) fort, bis ich den Eingang zur  Todra-Schlucht erreichte. Die Todra-Schlucht ist ein, am Südhang des Hohen Atlas gelegenes, bizarr zerklüftetes, canyonartiges und bis zu 300 m tief ausgeschnittenes Tal, daß der Oued Todrha durch das Gebirgsmassiv gegraben hat.

Dadesschlucht: Geplant war, am Ende der Todra-Schlucht zur Dades-Schlucht zu fahren (ich kannte diese Querung von meiner Tour im November 2009), aber der frühe Wintereinbruch im Atlas machte mir einen Strich durch die Rechnung und ein Durchkommen unmöglich. Ich übernachtete also in der Todrhaschlucht bei „Mohammed“. Mein Vorhaben, die Dades-Schlucht zu befahren, machte ich am nächsten Tag über die  N10 wahr. Anschließend ging es weiter Richtung Ouarzazate (1.160m). Das schlechte Wetter und der Wintereinbruch zwangen mich erneut zu einer Pause – ca. 2 km von Ouarzazete. Ich nutzte die Zeit zur Erholung und besuchte ein Hammam.

25.11.2011 – Ait Ben Haddou. Es ist ein uraltes Berber-Dorf, daß mit seinen Lehmbauten von weither sichtbar ist. Ait Ben Haddou wurde aus mehreren Kasbahs errichtet, die ineinander verschachtelt daß im Arabischen Ksar und bei den Berbern Aghrem genannte, befestigte Dorf bilden. Um das imponierende Zeugnis der für den Süden Marokkos typischen Kasbah-Architektur zu erhalten, setzte die Unesco Ait Ben Haddou auf die Liste des Weltkulturerbes. Ait Ben Haddou dient weiterhin als Drehort für etliche Historien- und Abenteuerfilme.

Tizi n’Tichka-Pass, 2.260m. Der Weg wurde immer schwieriger. Es gab jedoch immer wieder grandiose Panorama-Ausblicke an der Passstraße, trotz des schlechten Wetters.

Telouet: Nach der Überquerung der Passhöhe kam ich schliesslich nach Telouet (1.800 m). Leider ist der um eine Moschee und eine Palastanlage erweiterte Kasbah-Komplex inzwischen unbewohnt und verfällt allmählich. Eine Besichtigung der Innenräume ist jedoch noch möglich und überaus lohnend. Ich beschloß, mir die Innenräume anzusehen und wurde nicht enttäuscht. Nach dieser Besichtigung und den vielen, imponierenden Eindrücken setzte ich meine Fahrt Richtung Marrakesch fort.

25.11.2011 – Ankunft in Marrakesch. Mein Hotel „Ali“ lag direkt am Place Djemaa El Fna. Die Bedeutung des Namens Djemaa El Fna ist umstritten. Im Arabischen heißt Djemaa el Fna etwa Versammlung der Toten. Dieser Name rührt daher, dass die Sultane zur Zeit der Almohaden den Platz als Hinrichtungsstätte nutzten und aufgespießte Köpfe hier zu Schau stellten. Von meiner Dachterasse aus, hatte ich einen spektakulären Blick über den „Platz der Gaukler“ (Place Djemaa El Fna). Das durch einen Terroranschlag am 28. April 2011 uzerstörte Café Argana konnte ich ebenfalls sehen. Bei diesem Anschlag starben 17 Menschen. Vormittags wird auf dem Platz Djemma El Fna der Wochenmarkt abgehalten, Nachmittags wird er zu einer großen Unterhaltungsbühne mit Feuerschluckern, Affendresseure, Schlangenbeschwörer, Akrobaten, Märchenerzähler, Tänzer, Musikanten und anderen Unterhaltungskünstler. Viele dieser Gaukler gehören religiösen Sekten an, die bekanntesten Tänzer und Musiker sind Nachkommen schwarzer Sklaven. Mit Einfall der Dämmerung wird der Platz zu einer gigantischen Volksküche, es werden Tische und Bänke aufgestellt, Gaslampen werden aufgehängt und Essenstände aufgebaut. Das von historischen Bauten umgebene Gelände ist als Unesco-Welterbe geschützt. Das Wahrzeichen von Marrakesch – das Minarett der Koutoubia-Moschee – war nur 10 Minuten zu Fuß vom Hotel entfernt. Die ausgedehnten Souks von Marrakesch erstrecken sich nördlich der Place Djemma El Fna.

Cascades D’Ouzoud: Von Marrakesch ging es weiter über Demnate zu den Cascades d’Ouzoud. Sie gelten als die höchsten und schönsten Wasserfälle Marokkos. Ouzoud bedeutet in der Berbersprache Olive und bezieht sich auf die Olivenbäume in der Nähe der Fälle. Die Wasserfälle fallen in mehreren Etagen insgesamt 110 Meter über rote Felsen. In der Dämmerung konnte ich Affen beobachten. Nach den Wasserfällen besichtigte ich eine Argan-Öl-Produktion. Bei der traditionellen Handpressung werden die geernteten Früchte und Mandeln ausschließlich von Hand in einem aufwändigen, bis zu 24 Stunden dauernden Prozess gepresst.

Beni-Mellal: Anschließend fuhr ich nach Bin el Ouidane. Auf dem Wadi Bin-el-Ouidane wurde ein Staudamm errichtet, der einen Stausee von 3.755 ha bildet. Das beeindruckende Bauwerk mit einer Höhe von 1.330 m und einer Länge von 285 m am Kamm ermöglicht einerseits die Erzeugung von Elektrizität und andererseits die Bewässerung der Tadla-Ebene. Ich fuhr noch weitere 54 km bis nach Beni-Mellal. Hier übernachtete ich, bevor ich am nächsten Tag meine Motorradtour über Khenifra und Meknes nach Mechra Bel Ksiri fortsetze. Nach einer weiteren Übernachtung in Mechra Bel Ksiri begann nun die letzte Etappe nach Larache und Asilah in Richtung Hafen in Tanger Med. Auf dem Weg hatte ich gerade noch Zeit, zwei Tajine zu kaufen.